BDMJ begrüßt Verbot des Extremisten-Netzwerks „Die Wahre Religion“

Der Bund der Muslimischen Jugend begrüßt die im Zuge des Verbots des Extremisten-Netzwerks „Die Wahre Religion“ am 15. November 2016 in zehn Bundesländern durchgeführten Ermittlungen gegen radikale Gruppierungen.

Wir schließen uns dem hessischen Innenminister Peter Beuth an, der von einer „eindeutigen Botschaft“ an die „radikal-islamistische Szene“ sprach und betonte, dass dadurch ein bundesweit „wesentlicher Radikalisierungsfaktor ausgelöscht“ werde.

Wir als Muslime leben und schätzen das Grundgesetz, das uns die freie und uneingeschränkte Religionsausübung ermöglicht. Umso mehr müssen wir uns auf die fundamentalen Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung besinnen, die für alle im Bundesgebiet lebenden Menschen in gleicher Weise Gültigkeit besitzen und die einen Garant für ein friedliches und gemeinschaftliches Miteinander darstellen.
Deswegen müssen muslimische Jugendliche vor der Gefahr eines radikal ausgelegten Islams gewahrt und für ein friedliches Miteinander gewonnen werden. Der Islam und auch die prophetische Lebensweise gebieten den Weg der Mitte.
Das radikale Werben für „die wahre Religion“ auf den Straßen war auch eine Provokation gegen Muslime, da diese Vorgehensweise keinen nachhaltigen und positiven Einfluss auf das gesellschaftliche Klima hatte.

Die Gruppierung hat besonders dem friedlichen Zusammenleben der Muslime geschadet. Sie hat die Muslime in richtige und falsche Gläubige eingeteilt und per se alle, die nicht ihre radikalen Ansichten vertreten haben zu Ungläubigen erklärt. Solche Gruppierungen lehnen die gelebte kulturelle und theologische Vielfalt der Muslime weltweit ab. Der Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach deswegen zurecht davon, dass durch das Verbot auch insbesondere die Muslime selbst geschützt werden.

Untersuchungen zeigen, dass die meisten jungen Menschen, die bei solchen Gruppierungen anknüpfen, aus labilen sozialen Netzwerken kommen. Es sind jene Jugendliche, die in Folge einer Identitätskrise sich mithilfe solcher Gruppierungen abschotten und eine neue fiktive Heimat finden. Die meisten von ihnen haben Diskriminierungserfahrungen und Islamfeindlichkeit erlebt. All dies macht sie leichter empfänglich für die Botschaft von Gruppierungen wie „Die Wahre Religion“ und der „Lies!“ Aktion.
Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, junge Menschen für die Gesellschaft zu gewinnen und ihnen Perspektiven zu bieten. Es müssen ihnen Teilhabemöglichkeiten geboten werden damit sie sich als Teil dieser Gesellschaft verstehen und zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen. Etablierte muslimische Jugendverbände, wie auch die DITIB-Jugend, bieten diesen jungen Menschen eine Plattform, in der sie sich (religiös) entfalten können. Muslimische Jugendarbeit unterstützt die Identitätsfindung junger Menschen und gibt zugleich ein Zugehörigkeitsgefühl, Teil einer religiösen Gemeinschaft und zugleich der hiesigen Gesellschaft zu sein. Es ist daher von enormer Wichtigkeit muslimische Jugendverbände zu fördern und sie in ihrer Arbeit zu stärken. So kann radikalen Randgruppen der Nährboden langfristig entzogen werden.

Als BDMJ treten wir eindeutig unter dem Motto „Aktive Jugend gestaltet starke Zukunft“ dafür ein, dass der Islam als eine Motivationsquelle für Jugendliche bei der Gestaltung einer friedlichen und pluralistischen Gesellschaft vermittelt wird. Wir stehen dafür ein, dass sich junge Muslime als Teil dieser Gesellschaft verstehen und für ein besseres Miteinander Verantwortung übernehmen.

Auch im Rahmen unseres Projektes „Muslimische Jugend – Friedliche Zukunft“ verfolgen wir das Ziel, muslimische Jugendliche vor den Fängen radikaler Gruppierungen zu schützen, sie in islamischen Themen aufzuklären und Toleranz und Akzeptanz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen zu fördern. Kulturelle und religiöse Vielfalt ist ein Segen Allahs. Unser Ziel kann deswegen nur sein Frieden zu stiften, stets Barmherzigkeit walten zu lassen und nachsichtig zu sein. Allah selbst sagt im Koran: „Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf Erden sind, geglaubt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Gläubige zu werden?“ (Koran 10:99). Diese zentrale Botschaft des Islams haben Gruppierungen wie „Die Wahre Religion“ nicht verstanden und gutgläubige junge Menschen für ihre Sache irregeleitet. Sich vom Rest der Welt abzukapseln, überheblich und herablassend gegenüber anderen zu sein ist keine gute und insbesondere keine islamische Tugend.

20.11.2016
Bundesvorstand

Icon

BDMJ begrüßt „Die Wahre Religion“-Verbot (20.11.2016) 104.45 KB 45 downloads

BDMJ begrüßt Verbot des Extremisten-Netzwerks „Die Wahre Religion“. ...